| Fachkräftemangel kostet 7 Milliarden Euro | | Drucken | |
| 22. April 2008 | |
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Im vergangenen Jahr konnten insgesamt rund 700.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. Zum Auftakt der Hannover Messe teilte VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs die 45-prozentige Steigerung gegenüber 206 mit. "Der Fachkräftemangel kostet unsere Volkswirtschaft jährlich über sieben Milliarden Euro", stellte Fuchs die ökonomischen Auswirkungen dar. Mehr als 70 Prozent der in einer Umfrage vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln befragten Unternehmen fordern mittlerweile die Stärkung des technisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts als wichtigste politische Maßnahme gegen den Fachkräftmangel. Lösungen seien dringlich, da die Absolventenzahlen nicht mehr ausreichen, um die altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Ingenieure zu erset-zen. In der Studie wurden 2700 Unternehmen befragt. Erstmalig wurden dabei die tatsächlich offenen Stellen für Ingenieure ermittelt. Entgegen der bislang vor-sichtig geschätzten Dunkelziffer der auf dem sogenannten "Graumarkt" gesuch-ten Ingenieure ergab sich, dass faktisch etwa sieben Mal so viele offene Inge-nieursstellen vorliegen, wie der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldet wer-den. "Die von der BA angegebene 44-prozentige Meldequote trifft für gering und eventuell auch noch für mittel qualifizierte Tätigkeitsgruppen zu. Für das Segment der Ingenieure erweist sie sich jedoch als zu hoch. Hier liegt die ent-sprechende Quote bei knapp 13 Prozent. Das heißt, der BA wird nicht einmal jede siebte offene Ingenieursstelle gemeldet", erklärte Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des IVV Köln, die Ergebnisse. "Das bedeutet, dass aktuell etwa 95.000 Ingenieure in Deutschland von Unternehmen gesucht werden." Unternehmensstrategie Nr. 1 gegen den Fachkräftemangel: Weiterbildung Um dem Mangel begegnen zu können, investieren zwei Drittel aller Unterneh-men verstärkt in Weiterbildungsmaßnahmen. "Fort- und Weiterbildung wurde in der Vergangenheit oft nachrangig behandelt, besonders im Mittelstand. Anscheinend machen viele Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels aus der Not eine Tugend und fördern zunehmend ihre Mitarbeiter", analysierte Klös diese Entwicklung. Auf die Nutzung flexibler Arbeitszeiten greifen über 60 Pro-zent der Befragten zurück. Zusätzlich entwickeln über die Hälfte der Unterneh-men Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Diese Entwicklung ist neu und wir begrüßen sie ausdrücklich. Nur über innovative Arbeitsplatzmodelle kann man mittelfristig vorhandene Mitarbeiter halten und neue hinzu gewinnen", lobte VDI-Direktor Fuchs diese von den Unternehmen gewählten Maßnahmen. "Um den Fachkräftemangel anzugehen, setzen Personalabteilungen außerdem zu mehr als 40 Prozent auf die Rekrutie-rung älterer Mitarbeiter. Das ist - nicht nur angesichts der Situation auf dem Arbeitsmarkt - eine der vielversprechendsten Maßnahmen", so Fuchs. Denn auch in Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit stünden noch rund 10.000 arbeitslose Ingenieure über 50 Jahre dem Markt zur Verfügung. Politischer Handlungsbedarf Bezüglich der gewünschten Maßnahmen seitens der Politik ergab sich ein klares Bild: Deutliche Spitzenreiter bei den befragten Unternehmen ist die Stär-kung des technisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts (fast 75 Prozent Zu-stimmung). Verbesserte Bedingungen an technischen Hochschulen wünschen sich über die Hälfte der befragten Firmen. Knapp 45 Prozent halten öffentliche Stipendienprogramme für Ingenieurstudierende für sinnvoll. Der Einführung eines Technikrats stehen zwei Drittel der Unternehmen mit hoher bis mittlerer Priorität gegenüber. "Ein Nationaler Technikrat, der die Bundeskanzlerin berät und die Kompetenzen der Bundesländer vereinigt, kann zu einem Ruck führen. Er könnte technische Ausbildung wieder so attraktiv gestalten, dass wir auch morgen noch zu den führenden Industrienationen zählen werden", gab sich Fuchs optimistisch. Maschinenbau und Dienstleistungsbranchen am stärksten betroffen 75 Prozent der befragten Unternehmer und Manager im Maschinenbau sowie bei den Ingenieurdienstleistern stuften die Verfügbarkeit von Ingenieuren als "schlecht" beziehungsweise "sehr schlecht" ein. Ähnlich problematisch ist die Situation in der Elektroindustrie und im Fahrzeugbau. Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter www.vdi.de/studien.
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