| Enterprise Architecture und SOA: Harmonische Lösungen | | Drucken | |
| 09. January 2008 | |
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Betrachtet man die Veröffentlichungen der letzten Jahre rund um SOA, könnte man schnell den Eindruck gewinnen, als wäre SOA nun der Weisheit letzter Schluss und würde das Thema "Enterprise Architecture" ablösen. Dieser Beitrag soll aufzeigen, dass SOA ein Teil der Enterprise Architecture ist und diese in wesentlichen Punkten ergänzt. Dabei wird das Thema durch die Brille des Toolherstellers SAP betrachtet, der durch die Erweiterung des SOA-Gedankens zu enterprise SOA (enterprise Service Oriented Architecture) den Fokus auf die Entwicklung und die Verwal-tung von bereits erstellten unternehmensweiten Services legt. Damit befand sich die Enterprise Architecture Governance bei SAP in der gleichen Situation wie die Enterprise Architecture Governance in einem Großunternehmen, das sich mit bereits ausgerollten Lösungen beschäftigen muss und die Einführung von SOA vorbereitet. Die Situation der SAP ist sogar noch komplexer, da eine Vielzahl von Partnern/ Geschäftsprozessen aus allen Branchen berücksichtigt werden musste.
Zuerst gilt es festzuhalten, dass SOA eine Philosophie ist und kein Produkt, welches im Laden gekauft werden kann. Obwohl dies mittlerweile eine triviale Aussage zu sein scheint, liegt doch eine der Ursachen für die Diskussion, ob Enterprise Architecture (EA) und SOA unterschiedliche Dinge sind, genau darin begründet. Wäre SOA ein Produkt, dann würde es von einer EA Governance nach den gleichen Prinzipien verwaltet werden wie jede andere Applikation. Dies ist nicht der Fall. SOA stellt bestimmte Anforderungen an die Art und Weise, wie Geschäftsprozesse modelliert werden müssen. Diese werden dann technisch über (Web-)Services realisiert. Die Verwaltung der Services erfolgt
Wiederverwendung: Bereits existierende Lösungen können in anderen Kontexten wieder verwendet werden. Auch dies ist keine grundsätzlich neue Leistung von SOA.
Standardisierung des Vorgehens: Zur Erstellung, Weiterentwicklung und dem Betrieb von unternehmensweiten Architekturen gibt die EA Governance Standards und Leitlinien vor. Ein Beispiel dafür liefert das Framework TOGAF (www.togaf.org).
Tailoring (Anpassung) an spezifische Fragestellungen ist möglich: Das Vorgehen zur Umsetzung von Teilen der EA ist an die konkreten Aufgaben-stellungen anpassbar. Herstellerunabhängigkeit: Eine unternehmensweite Architektur ist im Allge-meinen herstellerunabhängig. Gerade in Großunternehmen und deren erweiterten Ökosystemen (Partner, Zulieferer) ist dies absolut erforderlich. Eine Festlegung auf auch nur wenige Hersteller kann hier fatal sein. Herstellerunabhängigkeit bedeutet aber nicht, dass Hersteller nicht in die Erstellung der EA mit einbezogen werden müssen. Hersteller können durch ihre branchenweite Sicht die unternehmenseigene EA deutlich verbessern. Soll SOA in die traditionelle EA integriert werden, gilt es bestimmte Punkte zu berücksichtigen, die von traditioneller EA und EA Governance nicht oder zumindest nicht in diesem Maße betrachtet werden beziehungsweise wurden:
SOA-Philosophie: Durch den Einsatz von Services zum Aufruf von Geschäfts-prozessabläufen ändern sich die Vorgehensweisen zur Softwareerstellung dramatisch. Wiederverwendung, Tailoring und die Zusammenarbeit zwischen IT und Business werden stark verbessert und erfordern bei allen Beteiligten neue Fähigkeiten und Kenntnisse. Man denke nur an die Verwaltung des ESR (Enterprise Service Repository) und an den ESB (Enterprise Service Bus).
Packaged Applications: enterprise SOA gestattet es, aus bestehenden Services und Geschäftsabläufen heraus neue Abläufe zu erstellen und diese als neue „Applikationen“ zu betreiben. Durch die Zusammenführung von bereits existierenden Services entstehen neue Services, die diese verwenden und selbst wieder als Teil eines weiteren Service verwendet werden können. Die besondere Herausforderung besteht nun darin, die einzelnen Abhängigkeiten seitens der EA Governance im Blick zu behalten. Ändert sich ein Service auf unterster Ebene, hat dies Auswirkungen auf alle Ebenen darüber, die diesen Service wieder verwenden. Metamodell: Die meisten Frameworks zur EA Governance beschäftigen sich wenig mit der Erstellung von Metamodellen zur Definition der eigenen Abläufe. Dies führt häufig zu Missverständnissen in der Kommunikation. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Definition von „Prozess“. Fachabteilungen haben hier meist ein anderes Verständnis als eine IT-Abteilung. Es ist daher absolut erforderlich zu definieren, wie sich „Prozess“ von anderen Begriffen wie „Work-flow“ oder „Aktivitäten“ abgrenzt. Um ein EA Framework mit SOA-Fokus zu etablieren, hat sich SAP genau diesen Fragestellungen stellen müssen. Als Erfolg versprechend haben sich folgende Dimensionen für eine enterprise SOA herausgestellt (siehe Bild 1). Diese sind nach unseren Erfahrungen auch auf die EA Governance in Großunternehmen übertragbar:
Methodik: Die methodischen Ansätze zur Softwareentwicklung, Projektmanage-ment, Analyse und Design wurden vereinheitlicht und an die Erfordernisse einer enterprise SOA angepasst. Diese Aufgabe war und ist nicht trivial und verlangt hohe Disziplin. Teilweise werden derzeit noch Koexistenzen von Vorgehensweisen geduldet, die in dedizierten Einsatzszenarien verwendet werden, zum Beispiel klassische R/3-Implementierung.
Werkzeuge und Tools: Es gibt derzeit eine ganze Reihe von Tools am Markt, die SOA unterstützen, zum Beispiel Eclipse und andere. Aus Sicht einer EA Governance ist das aber nicht ausreichend, da diese Werkzeuge sich auf die technische Realisierung von Services konzentrieren. SAP hat viel Mühe darauf
Definition von Dienstleistungen: Die Enterprise Architekten stellen den Projekten klar definierte Dienstleistungen zu Verfügung, beispielsweise Coaching, Training, methodische Unterstützung, Analysen, etc. Sie sind zudem verantwortlich für die Verwaltung der bereits realisierten Services.
Training: Es hat sich als notwendig erwiesen, die Mitarbeiter der EA Gover-nance auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Hierzu wurden spezielle Trainings aufgesetzt, die Vorgehensmodelle, Architekturframeworks, SOA und andere Faktoren und natürlich auch das Training von Architekten im neu entwickelten Framework, umfassten. Als wesentlicher Erfolgsfaktor hat sich eine Zertifizierung von Mitarbeitern im neuen Vorgehen herausgestellt. Diese Zertifizierung wird auch Kunden angeboten.
Etablierung einer Community: EA Governance ist keine Initiative von einigen wenigen Personen, sondern muss von allen Beteiligten und Betroffenen getragen und weiterentwickelt werden. Dabei sind auch externe Partner mit einzubeziehen. Dies bedeutet meist auch einen kulturellen Wandel. Geistiges Von Vorteil für die Entwicklung eines Frameworks für enterprise SOA hat sich erwiesen, auf bestehenden Frameworks aufzusetzen. Auf den ersten Blick erscheint ein Ansatz auf der grünen Wiese sinnvoller, da er mehr Freiheits-grade bietet. In der Praxis lässt sich das jedoch kaum realisieren, es ist aber auf den zweiten Blick von Vorteil, auf bereits etablierten Ansätzen aufsetzen zu können. Wenn Ihr Unternehmen noch kein eigenes Framework im Einsatz hat, so empfiehlt es sich, einen Blick auf die frei verfügbaren Frameworks wie TOGAF zu werfen und diese spezifisch zu erweitern. Bild 2 zeigt das Grob-modell des EAF der SAP, welches seine Wurzeln in den SAP Frameworks und in TOGAF hat. Wie Sie vielleicht wissen hat SAP auch an der Entwicklung von TOGAF mitgewirkt, daher lag dieses Framework nahe.
Bild 2 ist der Originaldokumentation entnommen und stellt die Bestandteile des Frameworks dar. Besonders hervorzuheben ist dabei die zweite Schicht von unten (im Bild blau hervorgehoben). Aufbauend auf den TOGAFPrinzipien wurden SAP-spezifische Erweiterungen vorgenommen (Tools, Werkzeuge, Beschreibungen von Geschäftsprozessen). Ein solches Vorgehen ist von Nutzen, um das „leere“ Framework mit den Inhalten und Prozessen des Unternehmens zu befüllen.
Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 11/12 2007 des it fokus. |
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