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Geräteindustrie betreibt Feature-Fetischismus PDF  | Drucken |  E-Mail
03. September 2008

Laut aktueller IBM CEO-Studie 2008 betrachten Top-Manager anspruchsvolle Verbraucher nicht als Bedrohung, sondern als Chance zur Differenzierung.

„Sie investieren mehr Zeit und Geld in Aktivitäten und Programme, um die Auf-merksamkeit und das Wohlwollen dieser besser informierten und insgesamt kri-tischeren Kunden zu gewinnen“, teilt IBM in einer Presseaussendung mit. Das gelte auch für die Vorstandschefs der Unterhaltungsindustrie. Um insgesamt 23 Prozent wollen sie ihre Ausgaben für entsprechende Maßnahmen innerhalb der nächsten drei Jahre erhöhen. Besonders die Themen Corporate Social Respon-sibility und Umweltschutz stehen dabei im Fokus: Hier sollen die Investitionen sogar um 44 Prozent wachsen. „Wir erreichen die Ära einer absoluten Verbrau-cherorientierung in der CE-Industrie. Die Zeiten, in denen es reichte, einfach nur neue Technologie oder das neueste elektronische Spielzeug in den Markt zu pumpen, sind endgültig vorbei", sagt IBM-General Manager Bruce A. Ander-son.

Funktionen gehen am Verbraucher vorbei 

„Die ‚absolute Verbraucherorientierung’ halte ich bei vielen Herstellern von End-geräten und Software für ein Lippenbekenntnis. Auch wenn vielfach von ‚User Experience’ gesprochen wird, können die wenigsten Unternehmen für sich in Anspruch nehmen, dass ihre multimedial und funktional überladenen Endgerä-te dem Nutzer in seinen Bedürfnissen und kognitiven Möglichkeiten gerecht werden. Zumindest immer dann, wenn auch Zielgruppen über 30 Jahre errei-cht werden sollen“, kritisiert Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Mind Business Consultants.

So sei der „Feature-Fetischismus“ bei Handyherstellern besonders abschre-ckend. „Die Geräte präsentieren sich als ultimative Alleskönner mit Kamera, MP3-Player, E-Mail-System und vielen anderen Anwendungen. Die meisten Funktionen gehen aber am Otto-Normal-Verbraucher vorbei“, moniert Stei-mel. Ein Intel-Forscher habe es kürzlich auf den Punkt gebracht: „Mein Handy ist zu klein für meine Finger, wenn ich damit Filme schauen oder Mails lesen will.“

Bedienung kann so einfach sein 

Apple habe sicherlich mit dem iPhone eine Revolution gestartet. „Steve Jobs hat gezeigt, wie einfach und intuitiv die Bedienung eines Multifunktionsgeräts sein kann. Aber auch Touchscreens haben Nachteile: Wenn man beim Telefo-nieren schwitzt und dabei eine Funktion aktiviert. Aus unserer Sicht spricht da-her einiges dafür, dass die Sprachsteuerung als natürliches Interface als Bedie-nungsmodus zum Einsatz kommt, um die Mensch-Maschine-Interaktion zu ver-bessern“, so das Fazit von Steimel zum Ende der Internationalen Funkausstel-lung (IFA).

Ob Sprachsteuerung oder Tastatureingabe am Bildschirm - die elementaren Prinzipien für gutes Interface-Design sind nach Ansicht des Sprachdialogexper-ten Lupo Pape immer dieselben. „Auf einen Nenner gebracht: Anstatt darum zu kämpfen, die Maschine zu verstehen, wollen wir uns von der Maschine verstan-den fühlen“, so Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge. Er setzt darauf, dass dies demnächst im wörtlichen Sinne gilt. Schon jetzt benutzt er seinen persön-lichen Assistenten im Mobiltelefon, dem er einfach sagt, wen er als nächstes an-rufen möchte. Professor Norbert Bolz von der TU-Berlin wirbt um Verständnis angesichts mancher Auswüchse an Zusatzfunktionen und Untermenüs. Denn gerade das Einfache sei inzwischen so schwer geworden. „Die Verführung durch die unendlich vielen technischen Möglichkeiten ist heute natürlich so groß wie nie zuvor. Deshalb gehört schon geradezu Askese dazu, auf irgend etwas verzichten zu können, sowohl als User zu verzichten auf das, was technisch möglich wäre mit einem bestimmten Gerät, aber vor allen Dingen natürlich auch, als Ingenieur darauf zu verzichten, alles, was technisch möglich wäre, auch in ein Gerät hineinzubauen."

www.ne-na.de

 

 
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