| Der richtige IT-Sourcing-Mix entscheidet über den Erfolg: Best IT-Sourcing | | Drucken | |
| 07. November 2007 | |
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Ob Börse oder Speicherchips: der auf Arthur Hanau (1927) zurückgehende Begriff des Schweinezyklus liefert eine Erklärung für die wiederkehrenden Schwankungen von Märkten zwischen Euphorie und Depression. Der IT-Out-sourcing-Markt wächst dagegen fast stetig, ohne die regelmäßigen rezessiven Krisen, die für andere Märkte typisch sind. Auch für die nächsten Jahre prognostizieren die Marktforscher weiter kontinuierliches Wachstum, wenn auch nicht mehr auf zweistelligem Niveau. Vor dem Hintergrund vieler nachhaltig unzufriedener Kunden erscheint das erstaunlich, erklärt sich aber durch die Besonderheit der Leistungsmerkmale des Outsourcings. Hier handelt es sich nicht um eine leicht austauschbare Ware. Die vor allem beim Voll-Outsourcing gelieferten Dienste haben unmittelbaren Einfluss auf die Geschäftsprozesse des Unternehmens. Änderungen des Geschäftsablaufs können nur noch mit Hilfe des Dienstleisters umgesetzt werden, und die (aktuell von 70% der CIOs) befürchtete Abhängigkeit vom Outsourcing-Anbieter ist in vielen Fällen Realität. So eine Monopolsituation ist für den Auftraggeber meist teuer, eine Trennung vom Dienstleister aber oft noch teurer und mit erheblichen Risiken verbunden.
Daher sind auch schlecht funktionierende Outsourcing-Beziehungen erstaunlich langlebig. Es ist allerdings erkennbar, dass sich der Outsourcing-Markt ändert. Die Zeit der Mega-Deals geht zu Ende, die neu abgeschlossenen Verträge sind kleinteiliger und von geringerem Volumen als früher. Das durchschnittliche Vertragsvolumen hat sich in den letzten vier Jahren um circa ein Viertel verringert, während der Gesamtmarkt mit ungefähr zehn Prozent pro Jahr gewachsen ist. Anscheinend haben viele Auftraggeber aus schlechten Erfahrungen mit dem Voll-Outsourcing Lehren gezogen, und jetzt geht der Trend zu kleineren Verträgen mit differenzierteren und präziser definierten Leistungen – und nebenbei auch zu kürzeren Laufzeiten. Kürzere und kleinteiligere Verträge alleine sind aber kein Wert an sich. Vielmehr kommt es für die Outsourcing- Auftraggeber darauf an, bei der Entscheidung und Umsetzung für ein erfolgreiches Sourcing-Vorhaben fünf wesentliche Erfolgsfaktoren zu berücksichtigen:
Für die Grundsatzentscheidung sind klare Kriterien erforderlich Dazu ist ein strukturiertes Vorgehen und einschlägige Erfahrung erforderlich, anderenfalls wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Falle tappen. Der in Bild 1 grob dargestellte Sourcing-Kreislauf kann als Vorlage für ein strukturiertes Vorgehen dienen. Die gewählte Darstellung als Zyklus ist für diesen Zweck hilfreich, denn bei allen Optionen muss nicht nur der Weg in die jeweilige Option hinein betrachtet werden, sondern es muss immer auch das Ende im Auge behalten werden. Beim Fliegen erwarten wir schließlich auch vom Piloten, dass er nicht nur den Start beherrscht, sondern auch die Landung! Auch hier werden die Weichen zu Anfang gestellt. Die Mehrheit der oben genannten Erfolgsfaktoren müssen zu Beginn des Sourcing-Zyklus sichergestellt werden. Das beginnt mit der Standortbestimmung und der Ermittlung der Geschäftsanforderungen. Welche Leistungen werden von den ITKunden benötigt, und werden heute tatsächlich die benötigten Leistungen erbracht? Sind die drei Eckpunkte Leistungsbreite, Leistungs-tiefe und Leistungsqualität in Soll und Ist übereinstimmend?
Wer den Prozess führen will, der muss wissen was er braucht
Dieses Wissen ist schon deshalb erforderlich, um überhaupt ein zutreffendes Angebot einholen zu können. Da die Ermittlung der bestehenden Dienste und Anforderungen aufwändig ist, ist die Verlockung groß, potenziellen Anbietern diese Aufgabe im Rahmen der "Due Diligence“ zu übertragen. Das ist strategisch aller-dings ein Fehler, denn diese Ist-Aufnahme verursacht erheblichen internen Aufwand beim Auftraggeber – und dieser Aufwand fällt für jeden Anbieter an, der im Wettbewerb mitmacht. Damit wird die Zahl möglicher Anbieter im Wettbewerb massiv eingeschränkt, und das wiederum verschlechtert die Preissituation und die Verhandlungsposition des Auftraggebers deutlich. Selbstverständlich kann man sich externer Hilfe zur Standortbestimmung und Anforderungsermittlung
In der Providerauswahl muss bis zum Schluss Wettbewerb herrschen Wenn klar ist, welche Leistungen im Sourcing-Mix extern beschafft werden sollen, dann kann die Provider-Auswahl starten. Hier kann man durchgängig feststellen, dass der klassische Ausschreibungsprozess – von einem RfI (Request for Information) zur Vorqualifizierung über den RfP (Request for Proposal) bis zur Verhandlung – entscheidend ist für den inhaltlichen und wirtschaftlichen Erfolg des Vorhabens. So wenig man die Grundsatzentscheidung und die Feststellung des eigenen IT-Bedarfs dem Dienstleister überlassen sollte, so wenig sollte man diesem auch die Steuerung des Verhandlungsprozesses überlassen. Auch hier muss der zukünftige Auftraggeber das Ruder in der Hand behalten. Das ist kein Problem, wenn zwei goldene Regeln befolgt werden. Erstens muss die Ausschreibung Leistungsumfang, vertragliche Rahmenbedingungen und die Struktur des Angebots klar vorgeben. Nur so wird man vergleichbare Angebote erhalten, die dann auch gegeneinander verhandelt werden können. Zum Zweiten muss der Vertragsentwurf – außer bei einfachen und gängigen Standard-leistungen – vom Auftraggeber kommen, damit die Begriffswelt des Auftraggebers Grundlage der Beziehung ist und in den Vertragstexten keine Fallen für den Auftraggeber versteckt sind. Wer sich hier auf den Dienstleister verlässt, spielt ein riskantes Spiel. Denn welcher Anbieter wird beispielsweise kundenfreundliche Regelungen für die Vertragsbeendigung von sich aus vorschlagen? Dazu ein aktuelles Beispiel: in einem Outsourcing-Fall hat einer der großen Dienstleister ein Angebot als Vertragsentwurf vorgelegt, in dem eine elegante Ausschlussklausel gut versteckt war. In einem Unterpunkt unter „Reporting“ war hier bestimmt, dass jeder Change an der Gesamtleistung – und dazu reicht bereits ein zusätzlicher oder entfallender User im SAP-System – dazu führt, dass alle Service Level Agreements und die daran hängenden Pönalen für eine sogenannte „Einschwing-phase“ von jeweils 3 Monaten ausgesetzt werden. In der Praxis hätte das bedeutet, dass die vertraglichen SLAs de facto niemals zum Tragen gekommen wären. Da der Anbieter von dieser Klausel auch nicht abrücken wollte, war eines klar: das verlangte Leistungsniveau wäre hier nie erreicht worden.
Verträge: ein Spagat zwischen Vollständigkeit und Flexibilität Die Verträge für IT-Leistungen müssen immer zwischen zwei gegensätzlichen Polen ausbalanciert werden. Einerseits müssen die Leistungen und die Beding-ungen, unter denen diese Leistungen erbracht werden, so genau formuliert werden, dass diese messbar, für den Fall der Nichterfüllung damit auch pönalefähig, und im Zweifelsfall tatsächlich einklagbar sind. Die Erfahrung zeigt, dass kein Partnerschaftsversprechen eines Lieferanten eine klare Leistungs-beschreibung ersetzen kann.
Andererseits müssen die Verträge so flexibel sein, dass Änderungen des Leistungsumfangs und der Leistungsqualität jederzeit leicht möglich sind. Dazu ist die richtige Vertragsstruktur mit einem generalistischen Rahmenvertrag, spezifischen Anhängen und einzelnen Leistungsscheinen sehr hilfreich.
Die Verantwortung bleibt auch beim Outsourcing im Haus Die Hoffnung vieler früherer Outsourcing-Deals war, dass ein Dienstleister die gesamte IT übernimmt und damit neben einer Kostensenkung auch eine Ent-lastung des Managements von ITFragen bewirkt. Diese Hoffnung war meist eine Illusion, denn die schon vorhandene Kluft zwischen den IT-Kunden und der IT-Mannschaft hat sich dadurch eher noch verstärkt. Schaut man sich ein einfaches ITGovernance- Modell wie in Bild 4 an, dann wird schnell klar, dass ein Dienst-leister von den drei wesentlichen Komponenten nur den Service-Delivery-Teil wirklich übernehmen kann – der natürlich bezüglich der Mittelbindung mit Abstand der größte Teil der IT ist. Wenn der Service-Delivery-Teil in ein Outsourcing übertragen werden soll, dann ist die Bindungswirkung der Verträge erheblich größer als in einem Eigenbetrieb, und Fehler im Requirements Management und in der IT-Governance werden folgenschwerer. Damit nimmt die Bedeutung dieser Funktionen mit steigendem Outsourcing-Anteil im Sourcing-Mix stark zu. In der Planung und Vorbereitung eines Sourcing-Vorhabens muss daher sichergestellt werden, dass für die Ausübung dieser Funktionen das entsprechende Know-how zur rechten Zeit vorhanden ist. Insbesondere beim Auslagern eines Funktions-bereichs mit Personalübergang ist es immer noch gängige Praxis, dass ein kleiner Teil der früheren Mannschaft als Provider-Manager beim Auftraggeber verbleiben soll. Bei kleineren IT-Einheiten im Mittelstand ist das oft nur noch der frühere IT-Manager. Doch gute Entwickler oder Administratoren sind nicht automatisch gute Provider-Manager. Die Anforderungsprofile unterscheiden sich zu sehr voneinander. Die notwendigen Veränderungen im IT-Management und in der IT-Governance sowie der Aufbau der Kompetenzen für das Provider-Management sind unbedingt erforderliche Voraussetzungen für eine funktionierende Partner-schaft mit den externen Dienstleistern – und damit auch dafür, dass die mit dem gewählten Sourcing-Mix gesteckten Ziele wirklich erreicht werden können. Fazit Die Bestimmung des für eine Organisation passenden IT-Sourcing-Mix ist eine wichtige Aufgabe der IT-Governance. Viele und zum Teil gegenläufige Ziele müssen zueinander in ein optimales Verhältnis gesetzt werden. Vor allem ist dies keine einmalige Aufgabe. Mit der Erkenntnis, dass die „Big Deals“ nur selten eine wirklich gute Lösung darstellen, bekommt der individuell zugeschnittene und immer wieder zeitnah an die Markt- und Wettbewerbsbedingungen angepasste IT-Sourcing-Mix eine zentrale Rolle in der ITGovernance. Und ist der optimale Sourcing-Mix bestimmt, dann muss dieser mit den Partnern professionell und unter der klaren Führung des Auftraggebers realisiert werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die IT-Kunden tatsächlich die benötigten Leistungen zu optimalen Preisen erhalten und das Unternehmen auch in Zukunft schnell und eigenständig handeln kann.
Sebastian Asendorf Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 11/07 des it management. |
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